Dienstag, 11 Februar 2020 11:57

Die Wege der Jakobspilger – Deutschland zu Fuß entdecken

Jakobswege in Deutschland Jakobswege in Deutschland

Auf dem Jakobsweg Deutschland zu Fuß entdecken? Klingt widersinnig, denn der Jakobsweg führt bekanntermaßen nach Santiago de Compostela in Nordspanien.

Aber aus allen Ecken Deutschlands führen Wege der Jakobspilger – so der offizielle Name des Wegenetzes – in die Richtung des Grabes vom Apostel Jakobus. Und es muss nicht direkt Spanien sein. Um auf dem Weg Buße zu tun oder die Natur zu genießen – beides ist gleichermaßen möglich und schließt sich nicht aus – können auch die hunderten deutschen Kilometer des Jakobsweges erwandert werden.

Der längste deutsche Abschnitt durchquert Süddeutschland von der tschechischen Grenze bei Tillyschanz bis zum Bodensee. Auf dem Weg durchlaufen die Pilger und Wanderer Bayern, die Schwäbische Alb und erreichen schließlich Konstanz. Wie auf allen Pilgerwegen säumen Kappel und Kirchen den Weg. Vor allem die Wallfahrtskirche Sankt Peter und Paul in Steinhausen lädt zur Rast ein. Hier können religiöse Pilger ein Gebet sprechen und säkulare Wanderer die Kunst und Architektur des Gotteshauses genießen. An den Weg schließt sich in der Schweiz direkt der nächste Jakobsweg an.

Wer diesen Weg komplett gehen will, ist 41 Tage lang unterwegs und legt dabei 550 Kilometer zurück.

Der Jakobsweg im Rheinland

Andere schöne Jakobswege in Deutschland führen durch das Rheinland über Aachen Richtung Spanien.

Hier treffen die Wanderer auf beeindruckende Kontraste von ruhiger Natur und Industrielandschaften. Erst nachdem der Pilger den Rhein bei Köln überquert hat, lässt er die Industriedenkmäler im Ruhrgebiet, Leverkusen oder Wuppertal hinter sich und macht sich auf in die Ruhe und Einsamkeit der Eifel. Am Ende erreichen die Wanderer die alte Kaiserstadt Aachen, wo der Aachener Dom ein ganz besonderes Zwischenziel der Wallfahrt darstellt.

Hier sind auch mal zwei Etappen an einem Tag zu schaffen. So lassen sich die 405 Kilometer auch in weniger als 44 Tagen zurücklegen.

Die Einsamkeit von Spessart und Odenwald

Der Wald-Jakobsweg führt nach den ersten Etappen entlang des Mains tief in den dünn besiedelten Spessart in Richtung Schwarzwald. Hier können die Pilger auf menschenleeren Pfaden tatsächlich auf die Suche nach transzendentalen Erfahrungen sein, wenn sie die dunklen Wälder und Täler des einsamen Odenwalds durchqueren.

Erst im Kraichgau treffen die Wanderer wieder auf dichtere Zivilisation, bevor sie die Höhen des Schwarzwalds erklimmen. Der Weg folgt, dass zeigen die alten Kirchen entlang des Weges, alten Pilgerpfaden. Wem der Weg auf der Pilgerstrecke nicht so wichtig ist, findet auf dem Weg von Darmstadt über Heidelberg und Heilbronn eine schöne Alternative zu der 431 Kilometer langen Strecke, die in 21 Etappen zu bewältigen ist.

Offene Landschaft in Brandenburg

Direkt im Zentrum der Bundeshauptstadt Berlin beginnt dieser Jakobsweg, Richtung Tangermünde an der Elbe. In diesem Wallfahrtsort befindet sich die Wilsnacker Kirche, in der drei Hostien aufbewahrt werden, die wie durch ein göttliches Wunder den Brand von 1383 überlebt haben. Der Weg ist daher auch mit den Drei Hostien markiert (drei Kreise und ein Kreuz).

Die Route ist bis heute nur wenig touristisch erschlossen. Erst seit 2009 ist der Weg durchgängig mit der Jakobsmuschel erschlossen.

Ähnlich wie im Spessart und im Odenwald finden die Wanderer auf dieser Strecke die ersehnte Besinnung, wenn sie auf ihrem Weg die weite Brandenburgische Landschaft durchqueren. Hierfür sollten die Pilger sich 11 Tage Zeit nehmen, um die 196 Kilometer zurück zu legen.

 
Gelesen 638 mal

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.